Wenden wir uns nun einer Eigentümlichkeit unserer Heidelandschaft zu, die uns nötigen wird, nunmehr den Blick auf den Menschen zu richten; ich meine die Hochäcker.
Im fernen Asien werden manche vergessenen Reiche entstanden und vergangen sein und übervölkerte Länder mögen ihre Menschenwogen schon oft genug nach Westen getrieben haben, bis endlich auch eine Familie auf der Heide Fuß fassen mußte, weil vielleicht bessere Gebiete schon ihre Herren hatten. Manch einer glaubt, daß die Gegend schon sehr stark besiedelt war, ehe die Römer im Lande waren, und will seine Ansicht mit den vielen weitausgedehnten Hochäckern der Landschaft begründen.
Über diese schreibt das Obb. Arch. Bd. 38 pag. 82 usw.:
„Auch um Schwabing, Feldmoching, Schleißheim, Lohhof und Neufahrn finden sich solche Kulturen massenhaft. – Über 15 m breite Beete kommen in dieser Gegend nicht vor, nur zwischen Schwabing resp. Ingolstädter Straße und dem Türkengraben südlich des Nymphenburger Kanals beginnen über 29,2 m breite, ungewöhnlich hohe Beete, welche eine Längenausdehnung von 350 m annehmen…“
Die hier vorgetragenen Ansichten haben viel Einnehmendes. Und dies um so mehr, als auch Riezler sich äußert: „Auf bayerischem Boden aber befand sich in Rätien (das sich vom Thurgau und den Donauquellen bis in die Inngegend erstreckte und auch Vindelikien einschloß) keine bedeutende Stadt und überhaupt war Rätien, wie es scheint, weniger bevölkert als Norikum. Schuld daran trug wohl nicht nur die höhere, also auch rauhere Lage, sondern vielleicht auch der Umstand, daß die Bevölkerung hier durch einen nach Römerart grausam geführten Krieg unterworfen und zum Teil ausgerottet worden war.“ Wenn nun auch ganz sicher ist, daß der Schritt römischer Kohorten auf unserer Heide gehört wurde, so ist doch eigentlich gar kein Grund zu finden, warum sie sich gerade hier, wo es für sie gar nichts zu tun gab, in solcher Masse hätten ansiedeln sollen, daß sie sich zu so einer beschwerlichen und undankbaren Kultur in großem Maßstabe hätten verstehen können.
Obwohl nun der Verfasser nicht an der Sucht leidet alles möglichst alt zu machen, so kam er doch auf den Gedanken, die Hochäcker sind eben vorrömisch, stammen aus der Latene (500-15 v.Chr.), oder Hallstatt (1200-500 v. Chr.), oder Bronzezeit (2000-1200 v. Chr.). Er dachte: Ist die Gegend wirklich ein uraltes Kulturgebiet, so müssen sich, wie so oft in Südbayern, doch auch die Gräber usw. nachweisen lassen. Gelesen oder gehört und erfragt hat er darüber gar nichts. Er wanderte oft in der Heide herum und suchte vergebens. Erst im Frühjahr 1907 entdeckte er die große Gräbergruppe, durch welche die Straße von Eching nach Dietersheim führt, während ihm die nördliche entging. Ende August 1907 öffnete Professor Wenzl in Freising mehrere durch den Pflug stark gefährdete Gräber und die gefundenen Nadeln, Spiralen, Waffen und Schmuckteile bewiesen klar, daß die Hügelgräber unserer Heide der Bronzezeit, Stufe B, angehören.
Am 16. Dezember 1908 kam zum Verfasser ein Schulmädchen und sagte: „Herr Lehrer, ich habe da eine Nadel aus der Bronzezeit.“ Es stimmte. Ein Knecht in Dirnismaning hatte in der Sandgrube des Wilhelm in Dirnismaning ein Skelett mit zwei Nadeln und einer Dolchklinge ausgegraben und eine Vase zertrümmert. Die Rede des Mädchens erklärte sich daraus, daß die Kinder ins Nationalmuseum geführt und darin mit ihnen in heimatkundlichem Sinne gearbeitet wurde. Ohne diese Führung wäre der Fund wieder verloren gewesen, wie schon so oft. Die Bauern haben erzählt, sie hätten so grüne Metallstücke (patinierte Bronze) schon oft beim Ackern gefunden und Menschenknochen dazu.
Fortsetzung im nächsten Stadtspiegel
|